Stadtstrand

Zum ersten Mal wirklich an den Tresen gesetzt – ohne das eine Zögern, ohne das Schauen nach noch freien Tischen, ohne, dass schon jemand dasaß – oder gar einer, den man kennt. Hinsetzen, Jacke aufhängen, bestellen, als gehörte das Café mir, nicht der Barfrau, die nämlich eigentlich etwas ganz anderes ist als Barfrau und das zeigt mit einer Unfreundlichkeit, die sich als Coolness ausgibt. Was sie eigentlich ist, das ist klar, ist sie so auch nicht, und schon gar nicht eigentlich. Eigentlich ist sie noch etwas ganz anderes, wird aber behindert durch das, was sie angeblich eigentlich ist und durch das Durchscheinenlassen, dass sie, angeblich, eigentlich was anderes ist. Hier am Tresen hockend bin ich gar nichts eigentlich und auch nichts angeblich, vielmehr habe ich mich aufgelöst in das, und das ist offenbar etwas ganz anderes, wonach mir gerade ist – sitzen, schauen, notieren, Januarsätze über halbe Seiten lesen, und mich dann auch nicht an den einen der Plätze setzen, der frei wird – den eigentlich besten.

‚Das Gegenteil von gut ist besser‘, habe ich, wurde ich zuletzt erinnert, einmal gesagt und weiß es noch. Stattdessen laufen lassen, wonach einem ist – es wird einen mittags in ein halbleeres Café führen, in dem man sich zum ersten Mal richtig an den Tresen setzt. Das ist klar.

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