Die Perle

Am Regen gestorbener Sonntag. Im Café am Friedhof spielen sie den Tick zu laut die allgemein anerkannten 60er-Jahre-Yeah-Yeah-Yeahs. Einer mit Schal überlässt, fast unerkannt, dem hereinkommenden Paar den Platz auf dem Sofa. Aufmerksamkeit, möchte man glauben, oder Vorsicht? Nebenan, vor der Fensterfront, nämlich sitzt, mit einem großen Stück Kuchen vor sich, breitbeinig ein Clown – Panzerknackerhemd, Lockenperücke, die rote Nase noch gerade so dran. Ins Telefon näselt er wie in ein Diktiergerät Gedanken und Befindlichkeiten. Andere fotografiert er damit – Leute, die lesen, Leute, die schreiben. Macht er einfach – sollen die sagen, wenn sie das nicht wollen. Das Gespräch der jungen Leute am Nachbartisch kapert er, zieht es an sich, bis er sein Inhalt wird. Warum er sich verkleide? Um den Leuten etwas zu geben, und fügt hinzu, dafür wolle er auch etwas zurück. Wenn er das nicht kriegt, so das Urteil, dann weil die Leute nicht offen sind. Die Nicht-Offenheit der anderen ist sein Joker, das Spiel läuft nach seinen Regeln. Wem er zu nahe kommt, hat mitzuspielen. Doch wer, möchte man ihn fragen, hat schon eine Öffnung, so groß, dass er hineinpasst?

Das Paar auf dem Sofa nicht. Es flieht, ehe es an der Reihe ist mit Angesprochenwerden, unbeschirmt in den stärker gewordenen Regen hinaus. Auf dem Nachhauseweg werden sie sich darüber unterhalten, dass sie das alles auch einmal interessant gefunden haben, die Verkleideten, die Iche, die Freaks, für die es die Einwortformel gab: Berlin. Was seither mit ihnen passiert ist? Sie sind in ihre Offenheit hineingewachsen.

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