Bruder Krähe kommt näher als noch die Tage davor, pickt in die gefallenen Ahornblüten, dort, wo die Löcher der Sandbienen mit ihren Erdhäufchen vom Starkregen weggewaschen sind. Ein Kippbild aus Priester und Gangster, führt immer was im Schilde, weiß immer schon mehr. Sind noch andere unterwegs, erscheinen sie wie ein Ordnungskommando – und sind selbst bereit zum Überfall. Jetzt ist er allein, krächzt er, wird er von irgendwoher Antwort erhalten, auf jeden Fall gehört. Fliegt er auf einmal weg, wird es seinen Grund gehabt haben. Preisgegeben wird nichts, etwas zu lesen über das Verhalten der Krähen würde ihr Geheimnis nur verschütten.
Dagegen die Tauben, die mit paralysiertem Blick umherpartnern, mehr als Symbol der Harmlosigkeit denn des Friedens. – Und schon hat man sich an ihnen schuldig gemacht.
Einer der Grabsteine, fastweiß und -rechteckig, hat seinen eigenen Falter: Von weit hinterm Hochgebirge hergekommen, fliegt er in Kreisen, nur um sich abermals – und das seit Tagen – auf immer derselben sonnengewärmten Fläche niederzulassen mit seinen ausgespannten rotschwarzweißen Flügeln wie zum Zeichen einer treuen Seele.
Noch nicht aufstehen, auch nach Stunden noch nicht den Rückweg zu den trinkenden Bienen gehen, sondern warten, wer sich noch auf die Buchseite setzt. Die getigerte Fliege vielleicht, die, um zu leben, sich von innen heraus durch den Leib einer Raupe fressen musste. Oder eine solche fällt von den Blättern herunter und falzt sich von Wort zu Wort. (Sie mitlesen und schauen, ob sich ein Satz ergibt.)
Oder der Fuchs kommt noch, schon von Weitem hörbar von den Krähen ausgeschimpft. Das erste Mal, als er plötzlich dastand zwischen den Bäumen – wie eine Erscheinung des Einmalgewussten und Immerwahren. Das nächste Mal dann schien er ein anderer zu sein, schleichend wie ein von der Welt Verstoßener, schon keine Duldung mehr Erbittender. Die ganze Last der Existenz lag auf ihm. Der gelbe Blick, als wollte er mahnen: das Leben wird durchlitten.

