I
Die Feuerwanzen versammeln sich wieder an den in die Erde greifenden Armen der Birken, gehen klare Wege wie Kletterer an Kalkwänden, größer scheinend als sie sind mit ihren blickenden Schildern. Zärtlich schreiten sie die Rinde ab, verweilen an gefundenen Plätzen. Gesellig sind manche, manche bleiben für sich. Rituale mögen vor sich gehen, ehe zwei sich zusammentun. Und mag ihr Panzerbild Feinde erschrecken, ein Nicht-Feind sieht den Geist, der ihnen die falschen Augen aufgetragen hat wie einen Segen.
II
Eine einzelne Wanze, unbeäugt braun, hatte sich einmal zum Überwintern in der Küche eingerichtet, ist über Tage immer wieder, obwohl unbewegt, plötzlich aufgetaucht an verschiedenen Stellen an der Wand. Dort blieb sie dann, wurde jedes Mal zum Wesen und gehörte dazu. Einmal aber ging es mit ihr durch und sie kam den Esstisch hoch, auf dem ein Adventskranz brannte – zielte schnurstracks über die Tischplatte darauf zu, kletterte in die Nadeln, stackste, zog sich die glatte Wand der Kerze hoch, balancierte ein Stück auf dem Kraterrand und stürzte sich ins Feuer. Mit einem Zischen erlosch die Flamme, der Rauch stank auf, die Wanze fand im heißen Wachs ihr Grab.

