Keine Zeit für Gedichte
und doch
so tun, als –
sagten die Grashalme
nicht gerade
eins in den Wind?
Die Blumenschalen liegen auf der Wiese verstreut. Vertrocknete Erdklumpen hängen an den zu Boden gedrückten Blüten. Die Krähe setzt sich mit lautlos geöffnetem Maul ins Gras wie zum Sterben. Selbst die Käfer meiden die Sonne. Warum der Falke jetzt ruft, versteht keiner. Die Bienen wie immer am Trinken. Kohlweißlinge flattern wie Taschentücher, die keinen Schnupfen mehr finden. Wie der Freund zur rechten Zeit legt der Schatten seine Hand über uns.
Das irrwitzige Wanken des Eichhörnchens im Nadelbaum – wie der Mensch, wenn er aufhörte, Brücken zu haben. So aber jagt er es, auftrumpfend wie er ist, mit Helikopterdonnern unter die dichteren Blätter.
Um sechs läuten die Glocken den Tag in sein Danach. Quatschend wie die Kinder wechseln sie sich ab – eine jede weiß den anderen auch noch was zu sagen. Als hätten sie sich endlich geeinigt, sprechen sie weiter aus einem Mund, erzählen den Tag, ein Wort das andere auffangend. In gemeinsamem Dröhnen schicken sie Luftkreisel, Klangschläuche, in die Töne hineingeschleudert werden, die sich aufspalten in zwei Stimmen: klagend die eine, die andere am Beschwichtigen. Als letzteres nachlässt, wird aus dem Klagen ein Mahnen – was es meint, muss jeder selber wissen. Dann der Abendwind, setzt ein wie bei einem Ritual, die Stille anzukündigen, die folgt. Die wird vorbereitet durch ein Allesübertönen, ein Betäuben sämtlicher Geräusche. Als es zu viel ist, werden die Schläge sanfter und ein Lallen schleicht sich ein, in das unerwartet, aber nur noch vereinzelt ein Nachschlagen klingt. Die letzten Töne sind Seufzer. Ein Aushauchen noch, dann erscheint die Welt für heute geläutert.
