Bücher und Titel

Eine der Eigenarten, die Jean Pauls Schulmeisterlein Wutz so vergnüglich macht, ist die Weigerung, seiner Armut wegen auf eine gut ausgestattete Bibliothek zu verzichten. Statt sich die Bücher vom Mund abzusparen, sucht Wutz im jährlichen Messekatalog nach den Titeln der wichtigsten Neuerscheinungen und schreibt den Text dazu einfach selbst: Rousseaus Bekenntnisse, James Cooks Reisetagebuch, Kants Kritik der reinen Vernunft. (Letzteres könnte Untertitel der Erzählung sein.)

Wutz erspart sich so die Erfahrung, sich von einem Titel bedeutende Einsichten zu erhoffen, nur um ihn dann enttäuscht wegzulegen, weil man sich ganz anderes, sprich: mehr Eigenes davon erwartet hat. Umgekehrt scheinen manche Titel ohnehin dazu aufzufordern, das dazugehörige Buch, statt es zu lesen, selbst zu verfassen, zumindest es sich zu erdenken. Spontan fallen mir ein: Versuch über den geglückten Tag. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Das Drama des begabten Kindes.

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