Die jugendliche Niederlage

Mir fällt auf, dass ich das Wort „eben“ in einer Häufigkeit verwende, in der ich das – ich bin mir dabei ziemlich sicher – früher nicht getan habe. Bestimmt gibt es für die jeweiligen Lebensabschnitte Signalwörter, deren Verwendung anzeigt, in welchem man sich gerade befindet – und in welchen nicht. Die W-Fragen sind die Wörter des Kindes, ebenso das halb fordernde, halb stolze „Ich“, mit dem erste Selbsterkenntnis kundgetan wird.

(Dass dieses „Ich“ nicht allein den Kindern vorbehalten ist, mag verdeutlichen, dass Lebensabschnitte mit zunehmendem Alter nicht automatisch abgeschlossen sein müssen…)

„Aber“ ist das Wort der Jugend. Es wird so häufig verwendet, wie „man“ noch selten ist. Vielleicht ist „eben“ das Wort, das die Überwindung der Jugend anzeigt und des ihr eigenen Nicht-verstehen-Wollens. Verstanden zu haben, so sehr es dem Kind noch Wunsch ist, gilt später als „Resignation“, was als gleichbedeutend gedacht wird mit „Niederlage“. Und „man“ zu werden, wo es doch oft noch gar kein echtes „Ich“ gibt, ist tatsächlich so etwas wie eine Niederlage.

(Das „Ich“ der Jugend wird daher anders ausgesprochen als das des Kindes: setzender, behaupteter, und auch an ihm lässt sich die grundsätzliche Offenheit von Lebensabschnitten erkennen.)

„Eben“ also. Wahrscheinlich zeigt es an, dass manches geklärt werden konnte, wenn nicht für immer, dann doch bis auf Weiteres. Dass ich es gerne verwende, mag daran liegen, dass ich mich meiner Klärungen vergewissern will. Möglicherweise ist es nur ein Übergangswort. Meinem häufig „aber“ verwendenden „Ich“ von früher möchte ich jedoch sagen, dass es sich hier nicht um eine „Resignation“ handelt, im Gegenteil: Man wird eben freier.

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