Zur Sicherheit (1)

Man erhält zur Sicherheit keinen Warnhinweis: Bei dauerhaftem Gebrauch Gefahr größer werdender Selbstunterbietung. Wie hoch der Preis der Sicherheit ist, wird verschwiegen. Mag sein, weil sie vielen wie umsonst erscheint – denen, die nie genialisch waren oder sich so fühlten. Oder aber es haben zu wenige auf der Freiheit gekippelt, ein Abgrund vorne, einer hinten. Manche wissen es aber und schweigen trotzdem. Sie wollen nicht erinnert werden, erst recht nicht sich selbst erinnern an die Zeit, als ihnen die Sicherheit noch vorgekommen ist wie ein Verlustgeschäft. In das lässt man jetzt die Jüngeren hineinlaufen ohne Warnung oder Rat, wie man es besser macht. Das muss nicht bösartig sein, aber es kann.

Sicherheit tut wohl, wenn sie Unterschlupf ist, ein Ausruhen erlaubt, ein Wundenlecken, bis das Unwetter vorüber, die Kraft zum Absprung zurück ist. Dann ist sie die Herberge am Wegesrand, in der ein jeder zahlt, wie er kann. Ansonsten keine Fragen, nur ein verständiges Nicken der Wirtin, das sie zurückerhält zum Abschied, der ein vorläufiger ist.

Ganz anders die Sicherheit, die zu sich hineinbittet und schnell die Tür hinter einem schließt. Die etwas im Sinn hat und es einem umso bequemer macht – Lass nur, das mach’ ich schon. Eine besitzgierige Jungfer, die ihre Beute schwächen muss, um Macht über sie zu erlangen. Langsam setzt Erschlaffung ein, die Gewöhnung ans Verwöhntwerden, ehe man, ohne es bemerkt zu haben, wehrlos geworden ist und auf Dackelgröße eingeschrumpft. Dann wird man an ihre sabbernde Brust gedrückt, die einem das zahnlos gewordene Maul stopft, bis der letzte Rest an Widerständigkeit ertränkt ist.

In Deutschland herrscht Ruhe.

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