Die, die mit dem Leben spielen, und die, die mit ihm spielen

Man sagt, es gibt die, die schreiben müssen, und die, die es wollen. Es ließe sich bei denen, die es wollen, noch ein ‚nur’ einfügen und es wäre gekennzeichnet, woran es ihnen fehlt: dem Unbedingten, dem Opferbereiten, von mir aus auch: dem Existenziellen. Wer nur schreiben will, wird Journalist oder Sachbuchautor. Wer nur schreiben will, hat auch die besseren Chancen auf einen Bestseller. Nur schreiben zu wollen, heißt, bereitwillig in die Werkzeugkiste greifen, nicht so wählerisch sein im Einsatz der Wörter, keine Scheu vor dem Aktuellen haben. Die, die nur schreiben wollen, sind die Schmerzbefreiten, die Informierten, die, die noch ganz anders könnten und können. Es fragt sich, warum wollen sie schreiben? Jedenfalls dem, der schreiben muss, muss die Frage sich stellen, wie man das – nur – wollen kann.

Bei denen, die es müssen, dagegen das dicke Obwohl. Sie halten am Schreiben fest, obwohl sie ihre anderen Pflichten vernachlässigen. Obwohl es mehr Mühe als Labsal bringt. Obwohl ungewiss ist, was damit wird und davon bleibt. Daher die Sehnsucht bei ihnen, es endlich lassen zu können. Alles einmal so gesagt zu haben, dass danach Schluss sein kann. Der eine Roman, der eine Essay, das eine Gedicht noch – und dann frei! Die ersten Gedanken finden, die richtigen Worte, oder gleich alles Fragment sein lassen, hoffend, aus den Lücken und Brüchen möge das aufsteigen und sich zu verstehen geben, worum es denen, die schreiben müssen, nämlich am meisten geht: dem ohnehin nicht Sagbaren.

Vielleicht sind die wirklich großen Autoren diejenigen, die sich befreien konnten. Deren größtes Werk der Übertritt ins Nur-noch-Leben ist, vergleichbar einem Süchtigen, der den Absprung geschafft hat, oder dem Spieler, der keine Rückfälle mehr erleidet. Hoffen und Bangen mit Wittgenstein. Erleichterung bei Rimbaud, der das große Vorbild wäre – wenn auch kein gutes.

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